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Besuch der Partnergemeinde Nohra in Thüringen 2014

Seit über 25 Jahren besuchen sich Mitglieder der Kirchengemeinden Geinsheim und Nohra regelmäßig. Die Geinsheimer fahren immer in der Passionszeit, diesmal drei Wochen vor Ostern, zu ihrer Partnergemeinde und gehen dabei auch den Kreuzweg im ehemaligen Konzentrationslager Dora bei Nordhausen mit. Normalerweise wird am Freitagnachmittag gefahren, aber diesmal konnten sich die drei Erwachsenen aus beruflichen Gründen erst am Samstagnachmittag auf den Weg machen. Die Unterbringung wird bei privaten Gastfamilien organisiert. Dadurch sind schon seit vielen Jahren enge persönliche Bindungen und sogar richtige Freundschaften entstanden. Nohra liegt rechts und links der Wipper, zu Füßen des Gebirgszuges „Hainleite“, im Kreis Nordhausen, Thüringen.

Am Samstag (29. März 2014) trafen die Geinsheimer gegen 17.00 Uhr bei ihren Gastfamilien in Nohra ein. Dort wurde auch das Abendessen eingenommen und anschließend trafen sich Gäste und Gastgeber im Gemeindehaus „Kirchblick“ neben der Kirche. Andre´ Wild übergab das Gastgeschenk, einen Geschenkkorb mit Rotwein aus Rheinhessen und einigen Frühlingsblumen für das Beet vor der Kirche. Danach war allgemeiner Gedankenaustausch angesagt. Dabei wurde auch über die Vergangenheit und die Zukunft der Beziehung zwischen Geinsheim und Nohra gesprochen.

Damals, noch zu Zeiten der DDR, Mitte der 1980er Jahre war Pfarrer Walter Ullrich mit den Geinsheimer Konfirmanden erstmalig nach Nohra gefahren. Es wurden auch Päckchen geschickt und Waren mitgenommen. Nach der Wende 1989, als man problemlos Reisen konnte, kam eine Zeit der intensiven Begegnungen, denn es gab von beiden Seiten viel über die 40-jährige Geschichte der DDR und BRD zu erzählen. Es wurden auch einige Spenden für die dringenden Renovierungen der schönen mittelalterlichen Kirche in Nohra von der Geinsheimer Kirchengemeinde übergeben.

In den 1990er Jahren wurde auch das nahe gelegene Konzentrationslager „Mittelbau Dora“ zu Besichtigungen geöffnet und der jährliche „Kreuzweg“ im Lager von den christlichen Kirchengemeinden aus Nordhausen ins Leben gerufen. Die Geinsheimer Delegationen gingen diesen von Anfang an mit.

Jetzt 25 Jahre nach dem Mauerfall ist eine gewisse Normalität in der Beziehung eingekehrt. Die Menschen, die damals sehr aktiv waren, sind älter geworden, manche bereits verstorben. Jüngere sind leider nur wenige dazugekommen. So leiden übrigens viele Partnerschaften an mangelndem Interesse der jüngeren Generation, für die ein geeintes Deutschland Normalität ist. Wie geht es weiter mit der Beziehung zwischen Nohra und Geinsheim? Die Antwort der Anwesenden war: Solange noch Menschen aktiv die Partnerschaft mitgestalten, soll sie erhalten bleiben. Vielleicht lässt sich ja doch der Eine oder die Andere in den Gemeinden überzeugen, dass solche Begegnungen auch heute noch sehr fruchtbar sein können.

Am Sonntagvormittag fand ein gemeinsamer Gottesdienst statt und nachmittags fuhren alle zum Kreuzweg ins Lager „Dora“. Die Gruppe aus Geinsheim und Nohra, mit Pfarrerin Dorothea Heizmann gestaltete die letzte Station „Krematorium“. Zwischen Oktober 1943 und März 1944 wurden offiziell 2882 Tote Gefangene gezählt, die teilweise zur Verbrennung nach Buchenwald, teilweise in einem transportablen Krematorium und ab Ende März 1944 in einem extra gebauten Gebäude verbrannt wurden. Es war eine Endstation für ihr Leben. Es starben viel zu viele, mehr als wir ertragen können. Diese Tote müssen uns mahnen, das Schreckliche nicht zu verdrängen, sondern uns der Verantwortung zu stellen, damit so etwas nie mehr geschieht.

Helmut Kraft
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